„Dem Fachkräftemangel ist nicht beizukommen“, titelte im Februar 2015 die WirtschaftsWoche. Dabei berief sie sich auf den Fortschrittsbericht der Bundesregierung. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer wird im Artikel zitiert und fordert unter anderem: „Wir müssen mehr inländische Potenziale als Fachkräfte erschließen.“ Damit zielt er auch darauf ab, dass Arbeitgeber Strategien entwickeln müssen, um dem Notstand zu entkommen.

Inwiefern sie dies bereits tun, ermittelt eine jährliche, internationale Studie zum Fachkräftemangel. 2014 sahen sich demnach 40 Prozent der Arbeitgeber in Deutschland vom Fachkräftemangel betroffen, ein Anstieg um fünf Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Von diesen betroffenen Unternehmen hat jedoch fast die Hälfte noch keine Gegenmaßnahmen ergriffen. Sie warten einfach weiter ab, ob sich geeignete Bewerber für die offenen Posten finden. Mitunter spielt dabei auch eine Rolle, dass in Personalabteilungen – wie in vielen anderen Bereichen auch – massiv gespart wird. Es fehlen schlicht Kapazitäten für gründliche Auswahlverfahren oder die Einführung neuer Recruitingkonzepte.

Keine Bewerber da – und jetzt? Arbeitgeber wachen nur langsam auf

Die übrigen verfolgen verschiedene Ansätze: Etwa ein Fünftel der Unternehmen, denen Bewerber fehlen, bietet dem vorhandenen Team Weiterbildungen an. 13 Prozent stellen Bewerber ein, die nicht ganz dem Anforderungsprofil entsprechen, in denen sie aber genug Potenzial sehen. Elf Prozent versuchen neue Recruiting-Methoden, setzen zum Beispiel erstmals eigene Karriere-Plattformen oder Social Media ein. Kooperationen mit Bildungseinrichtungen sind für vier Prozent ein neuer Ansatz bei der Kandidatensuche. Gezielt im Ausland suchen drei Prozent. Jeweils zwei Prozent erhöhen das Einstiegsgehalt, um mehr Bewerber anzulocken, oder setzen ihre Ansprüche im Stellenprofil herunter.

Das sind gute Ansätze, die aber von zu vielen deutschen Unternehmen noch ungenutzt bleiben. Gleichzeitig dokumentiert die Studie die sehr hohen Ansprüche, die an die Bewerber gestellt werden. Jeder dritte Personaler bemängelt fehlende Fachkenntnisse. 18 Prozent geben aber auch mangelnde Soft Skills wie Teamfähigkeit oder Durchsetzungskraft als Grund an, dass die Positionen unbesetzt bleiben. Fehlenden Enthusiasmus bei den Kandidaten nennt jeder zehnte als Grund. Ebenso viele finden, den Bewerbern fehle Berufserfahrung. Das zeigt: Manche Arbeitgeber haben schlicht zu hohe Erwartungen. Besonders den Talenten, die noch „ungeschliffen“ sind, aber viel Potenzial haben, werden zu wenige Chancen eingeräumt. Zu wenig Arbeitgeber sind bereit, Schwächen zu akzeptieren und mit den Mitarbeitern an ihnen zu arbeiten. Hier muss ein Umdenken stattfinden, wenn Unternehmen im Wettbewerb bestehen wollen.

Wo Unternehmen Kandidaten am besten erreichen

Für Personaler, die sich fragen, wie sie am besten möglichst viele Kandidaten erreichen, lohnt sich auch der Blick auf eine Bevölkerungsbefragung zum Thema Jobsuche. Sie zeigt, dass die am häufigsten genutzte Quelle für aktuelle Jobangebote immer noch die Tageszeitungen sind. 46 Prozent aller Arbeitnehmer durchsuchen die Stellenteile ihres Lokalblattes. Auf Platz zwei des Rankings liegen persönliche Kontakte, die sich 37 Prozent zunutze machen. Erst knapp dahinter folgen die verschiedenen Internetquellen: Jeweils 35 Prozent nutzen die allgemeine Google-Suche, durchkämmen Jobportale wie indeed, Monster, Stepstone oder Kimeta oder schauen direkt auf die Karriereseiten einzelner Wunsch-Arbeitgeber. 34 Prozent nutzen nach eigenen Angaben die Online-Jobbörse der Arbeitsagentur.

Weitere Quellen folgen mit deutlichem Abstand: 16 Prozent lesen Stellenanzeigen in Fachzeitschriften ihrer Branche. Berufliche Netzwerke wie XING und LinkedIn nutzen 14 Prozent für die Suche nach Jobs. Acht Prozent wenden sich direkt an Zeitarbeitsfirmen. Ebenso viele nutzen eher private soziale Netzwerke wie Facebook. Am Schluss des Rankings finden sich Jobmessen (frequentiert von sieben Prozent) und Fachmessen (vier Prozent).

Gegenwart und Zukunft sind digital – die Ergebnisse zeigen aber auch, dass Unternehmen die Bedeutung von traditionellen Kanälen im Recruiting nicht vernachlässigen sollten. Es gilt also: “Think audiences, not Media!”

 

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Stephan Rathgeber, Manpower Group

Stephan Rathgeber, Manpower Group

Marketingleiter bei der ManpowerGroup Deutschland, Mitautor des JOBlogs
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7 thoughts on “Warum finden Job und Mensch so oft nicht zusammen?

  1. Die Bevölkerungsbefragung finde ich für die Jobsuche nur wenig aussagekräftig im Zusammenhang mit Fachkräften. Fachkräfte werden weniger häufig nach Arbeit suchen, als es jemand mit höherem Alter und geringeren Abschluss tut. Für mich ist da keine Korrelation.
    Heutzutage suchen wohl die meisten jüngeren Menschen über eine Jobbörse da hier mehr Stellenangebote zu finden sind. Gerade nach dem Studium wenn man eine Kaderstelle, oder wenn man eine Praktikumsstelle sucht, möchten viele nicht die regionale Zeitung durchblättern sondern lieber etwas von der Welt sehen. Daher nutzen die meisten wohl eher ein Stellenportal als Stellenanzeigen in der Regionalzeitung.

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    • Hallo Luzerner oder nach Luzern,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Freue mich sehr über die Interaktion. Sie haben natürlich recht: Wie jemand einen Job sucht, hängt auch immer von der jeweiligen Zielgruppe (Alter, Qualifikation, Geschlecht,etc.) ab, das kann mal die online Jobbörse sein, die klassische Print-Strecke in der Wochenzeitung oder auch die Empfehlung des Nachbarn.

      Daher ja auch die dringende Empfehlung, das Suchen nach Talenten in 2015 an der gewünschten Zielgruppe und nicht den vorhandenen Kanälen auszurichten – das wird noch viel zu oft durcheinander geworfen.

      Beste Grüße
      Stephan Rathgeber

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  2. Mir persönlich ist kein Realunternehmer bekannt, der sich über einen Fachkräftemangel beklagt, sondern nur die sogenannten Möchtegernunternehmer ! (und von denen haben wir ja mehr als wie wir brauchen)

    Ich habe über ein Jahr recherchiert, mir die Jahresberichte der Handwerkskammern durchgelesen, mir die berufsbezogenen Abschlußprüfungen der Industrie angesehen. (natürlich nicht bei allen 11900 registrierten Akrtiengesellschaften)
    Ich habe mir die Zahlen der bestandenen Fort-und Weiterbildungsprüfungen angesehen. Alle Prüfungsabnahmen belaufen sich auf den Jahrgang 2013 – 2014.
    Ich habe mit Unternehmungen und mit Großkonzernen telefoniert.
    Ich habe diverse Unternehmungen persönlich besucht und vor Ort mit den Leuten gesprochen. Nix mit Fachkräftemangel !

    Und das Ergebnis habe ich in dem neuen Buch veröffentlicht mit Quellenangabe.
    Titel: „Fachkrtäftemangel in Deutschland ? – Ein Lügenmärchen der Politik und der Wirtschaft !“
    Es drängt sich vielmehr der Eindruck auf, dass man das Volk mit dieser Aussage belügt um eine Zuwanderung zu rechtfertigen.
    Darüber hinaus stimme ich einem BWL-Prof. zu der gesagt hat, „Fachkräftemangel nein, aber Fachlohnmagel ja“.

    PS. und das bei der Firma „ManPower“ auch nur überweigend Möchteherner herum laufen, pfeifen die Spatzen von den Dächern

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  3. Guten Tag Herr Dinsing,

    interessante Antwort. Gerne können wir in einen sachlichen Dialog eintreten. Polemik und Beleidigungen sind hier natürlich nicht angebracht und werden dazu führen, dass wir den Dialog abrechen müssen.

    Ich nehme war, dass Sie eine feste Meinung zu diesem Thema haben und diese auch sehr offensiv vertreten. Das ist OK für mich. Ich wünsche mir natürlich, dass es auf der anderen Seite auch OK für Sie ist, dass ich eine andere Meinung habe. Und diese auch wie oben in Ansätzen geschrieben belegen kann.

    Hier finden Sie einen Teil unseres Research zu dem Thema: https://www.manpower.de/neuigkeiten/studien-und-research/studie-fachkraeftemangel/

    Schicken Sie mir doch Ihr Lügenmärchen Buch zu, dann schaue ich mir das gerne an.
    Ich bin auch absolut kein Fan einer allgemeingültigen Fachkräfte-Panik, das zeigen auch unsere Studienergebnisse. Es geht vielmehr darum, Arbeitnehmer und Arbeitgeber an den richtigen Orten (real oder virtuell) zusammenzubringen.
    Auf der META Ebene müssen wir unsere Gesellschaft darauf vorbereiten, in einer sich schnell verändernden Welt mit den digitalen Herausforderungen im Arbeitsmarkt umgehen zu können.

    Ich wünsche Ihnen einen schönen sonnigen Frühlings-Tag,
    Stephan Rathgeber

    P.S.: Im Mai kommt unsere jährliche Studie zum Thema „Talent Shortage“ heraus – sehr gerne stelle ich Ihnen ebenfalls die Ergebnisse zur Verfügung.

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  4. Der Mangel an qualifizierten Bewerbern ist in den letzten Jahren deutlich spürbar geworden. Das beginnt bei der Besetzung von Ausbildungsstellen und zieht hin, bis zu den genannten Fachkräften. Die demographische Entwicklung gibt dies zwangsläufig vor.
    Unternehmen, wie Personaler werden nicht umhin kommen, die im Artikel beschriebenen Wege umzusetzen.

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  5. Bewerber einzustellen, die nicht ganz zu dem Stellenprofil passen halte ich für bedingt sinnvoll. Wie häufig stellen Unternehmen nach der Einstellung fest, dass der neue Mitarbeiter keine Probleme löst, sondern noch mehr Probleme schafft? Die Produktivität eines Unternehmens nimmt nur mit wirklich passenden Mitarbeitern zu.

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  6. Ich nehme mal Bezug auf die letzten beiden Kommentare. Also Leute, hört auf Eure MÖCHTEGERUNTERNEHMER in den Himmel zu heben ! Solche Leute sind mir bekannt. Das sind die gleichen Spinner, die von einem potentiellen !Azubi“ (der vor einer Woche ausgeschult wurde) einen lückenlosen tabellarischen Lebenslauf sehen möchten. Ein Realunternehmenr wird keinen Lebenslauf verlangen weil er im Vorfeld schon weiß, was drin steht. (nämlich geb. am, eingeschult am, ausgeschult letzte Woche) So ein Realunternehmer, der weiß das ! Ein Möchtegerner verfügt nicht über so viel Weitblick. Dem muß man das aufschreiben !

    Und wenn ich höre, „wir bekommen keine geeigneten Azubis“, kommt mir die Galle hoch. Aber die 150 die schon da waren und die man wieder nach Hause geschickt hat, werden nicht erwähnt, oder ? Natürlich war keiner von dene geeignet. Und von den nächsten 200 die kommen, ist natürlich auch keiner geeignet ! Glauben diese Möchtegerner ihren Mist eigentlich selbst ???

    Abschluß, meine Seite besuchen, auf „Bücher“ klicken und dann den Einspieler auf „YouTube“ anhören.
    Gruß an Euch alle !

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