PersonalauswahlPersonalauswahl im Jahr 2014…
…  die in Deutschland durch den Fachkräftemangel und die demographische Entwicklung hervorgerufene Entwicklung steuert nach Expertenmeinung auf eine ernstzunehmende Krise hin. In den Augen von Marketing- und Personalexperten sind die Bereiche Auswahlverfahren auf Basis von Intelligenztests, Social Media und Employer Branding die Rettung gegen den befürchteten Kollaps. Meinungsforscher gehen davon aus, dass die Generation Y wie eine Herde dem Leittier folgt und somit die ergriffenen Maßnahmen unweigerlich zum Erfolg führen müssen.

Eine selbstbewusste  Generation Y verweigert sich jedoch gegenüber aufwändigen Bewerbungsverfahren und akzeptiert schlichtweg nicht den Einsatz von modernen Intelligenzanalyse- Systemen.  Sie fordern die Unternehmen und die Personalverantwortlichen auf, die menschlichen Aspekte bei der Kandidaten Auswahl zu berücksichtigen. Personaler in ganz Europa sind mit diesem Anspruch überfordert und verlangen von der Wissenschaft Tools zur Unterstützung bei Automatisierung der Personalauswahl. Experten warnen vor der Zukunft, da der demographische Wandel gerade erst  begonnen hat. Personaler stehen zwischen den Stühlen, von allen Seiten strömen nicht miteinander vereinbare Anforderungen auf sie ein. Personalverantwortliche fordern erneut die Unterstützung der Wissenschaft…

Personalauswahl im Jahr 2015…
…erste neue Systeme zur Personalauswahl werden von den Organisationen, Firmen und Konzernen getestet. Schulnoten, Abiturnoten, Ausbildungsnoten, Abschlussnoten und Diplomnoten sollen helfen, die richtigen Kandidaten auszuwählen. Nach Ansicht einiger Forscher können nur die Noten eines Menschen über die zukünftigen Fähigkeiten, die Leistungsbereitschaft und den Erfolg im Beruf Aufschluss geben. Die Personaler der Republik springen auf den Zug auf, denn noch nie war es so einfach, gutes Personal zu finden. Einfach den Notendurchschnitt als erstes Auswahlkriterium für die Kandidatenauswahl berücksichtigen und schon haben sie nach den Meßkriterien dieser Hochleistungs-Systeme nur noch A+ Kandidaten in ihren Vorstellungsgesprächen. Widererwartend zeigen die neugefundenen Talente nicht alle den gewünschten Erfolg im Beruf und die ersten Personaler erkennen die Gründe. Hervorragende Leistungen in der Ausbildung oder dem Studium lassen keinen Rückschluss auf die Leistungs- und Umsetzungsfähigkeit im Unternehmen zu. Während im Studium klare Vorgaben herrschen, einem Lehrplan gefolgt wird, durch Fachliteratur der zu erreichende Wissensstand für Prüfungen vorgegeben wird, sieht es im Job ganz anders aus.

Täglich wechselnde Situationen und Herausforderungen machen es notwendig, gänzlich andere Handlungsweisen anzuwenden. Der Job fordert auf, Mut zur Verantwortung zu haben, es müssen mit Abstraktionsfähigkeit und reflektiertem Verhalten Endscheidungen beeinflusst werden. In vielen Fällen müssen Entscheidungen sogar  eigenständig getroffen werden, für viele Menschen eine extreme Stresssituation.  Manchmal werden spontane Handlungsweisen gefordert. In anderen Fällen nötigt die Situation zur Interpretation. Oftmals ist jedoch auch Krisenmanagement gefragt. Zu allem Überfluss kommt dann auch noch Empathie und Beziehungsmanagement ins Spiel.

Gegen Ende 2015 resignieren die Personaler erneut, der Auswahlmechanismus der besten Noten hat nicht zum Erfolg geführt…

Personalauswahl im Jahr 2016…
…Assessment- und Evaluierungscenter sind nicht mehr aufzuhalten. Wer glaubt, dass die alten Formen der Personalauswahl noch Gültigkeit haben, wird milde als ein „ewig gestriger“ belächelt, der es nicht verstanden hat, warum Assessmentund Evaluierungscenter eindeutig das effektivste Hilfsmittel für die Personalauswahl sind. Verschiedenste Ansätze vom Full, über Middle  bis hin zum Slim Assessment werden den Personalentscheidern angeboten. Es kommt in den klassischen Schulen der Personalwissenschaften zu Frontenbildung. Die einen favorisieren Assessmentcenter , die nächsten die Evaluierungscenter und die letzen die Developmentcenter. Fast wöchentlich wird eine „neue Sau durchs Dorf getrieben“, auf die der geneigte Personaler aufspringen kann. Fragestellung nach Objektivität und ROI dieser Verfahren werden abgeschmettert mit dem Hinweis, eine gute und sichere Personalauswahl ist unbezahlbar. Der volkswirtschaftliche Schaden durch Fehleinstellungen sei so hoch, dass er gar nicht mehr gemessen werden kann.

Personalberatende Institute zur Eignungsdiagnostik von potentiell zu gewinnenden Unternehmensressourcen schießen wie Pilze aus dem Boden, eine eigene mächtige Branche entsteht. Durch die enge Verzahnung dieser Institute in die Wissenschaft gibt es kaum Raum für Kritik. Bis ein CEO eines mittelständigen Maschinenbauers seinen Personalchef fragt, warum geben wir eigentlich mehr Geld für die Personalsuche als für die Personalentwicklung aus? Das Unternehmen und der Personalleiter sind die Speerspitze eines neuen Trends…

Personalauswahl  im Jahr 2017…
… der Heilige Gral der Personalauswahl ist uneingeschränkt der Klout- Score des Individuums. Jahrelange und umfangreiche Forschungsarbeiten sowie empirische Studien haben bewiesen, dass einzig und allein der Klout-Score des Individuums für ein erfolgreiches Recruiting von Fach- und Führungskräften eine Aussage treffen kann. Dieser Klout-Score ist  ein messbarer Indikator, welcher auf Grundlage von Analysen in sozialen Netzwerken ein individuelles Rating erstellt. Dieses Rating beziffert die Reputation oder anders ausgedrückt den Influencegrad der virtuellen Persönlichkeit eines vielleicht real existierenden Individuums. Die Klout-Score Skala bewegt sich zwischen 1 und 100. Je höher der Wert, desto höher die virtuelle Reputation. Eine hohe Reputation lässt somit auf einen großen Grad der Influence in den virtuellen Netzwerken schließen. Und wer will schließlich nicht, dass sein neuer Mitarbeiter ein perfekter Netzwerker in den Social Media Bereichen ist, da diese Strahlkraft des Individuums auch auf das Unternehmen abstrahlt.

Leider erkannte der Senior Vice President Human Ressources eines großen deutschen DAX Konzerns zu spät, das „Lessie4711 mit einem Klout-Score von 96“ eine Pseudobiographie für einen 12 Jahre alten Jack Russell Terrier aus München war. Zwar konnte dem Hund in der Probezeit gekündigt werden, jedoch gewann das Herrchen den Prozess um die Forderung des ersten Monatsgehalts…

Personalauswahl im Jahr 2018…
… nach vielen Fehlschlägen und massiven Fehlbesetzungen in der deutschen Wirtschaft hat ein praxiserfahrener Recruiter, wir nennen ihn Holger,  eine geniale Idee zur Personalauswahl.

Diese Idee wirkt nicht nur wie die Evolution der Personalauswahlmechanismen der Vergangenheit. Nein, es ist vielmehr eine Revolution. Eine Revolution wie sie ihresgleichen sucht. Sie wird das Weltbild verändern, die Personalarbeit auf den Kopf stellen. Das erfolgreichste und wertbeständigste Recruiting in der Geschichte der Personalauswahl beginnt. Einige Experten sprechen sogar von einer Jahrtausendwende in der Personalarbeit. Professoren überdenken die bisherigen Strategien, Lehrpläne werden neu geschrieben, eine ganze Generation von Human Ressources Wissenschaftlern wird auf das neue Szenario eingeschworen.  Heerscharen von Personalreferenten, Business Partner und Personalverantwortliche müssen umdenken.

Die radikale Botschaft von Holger ist…

…liebe Recruiter, Personaler und Personalverantwortliche, nutzt bei jeder potentiellen Einstellung Euren gesunden Menschenverstand und die über viele Jahre erworbene Fähigkeit der Menschenkenntnis!

Im diesen Sinne Ihr

Stefan Kozole

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6 thoughts on “Gedanken zur Personalauswahl…

  1. Lieber Stefan
    Du schreibst mir förmlich aus der Seele. Gerne möchte ich Deinen Beitrag in einem kleinen Punkt ergänzen: Die von Dir geschilderte Entwicklung findet nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern statt. Problematisch wird es wahrscheinlich erst im Jahr 2018, wenn sich die Menschheit auf die App-Stores dieser Welt stürzt und eine geeignete App für „gesunden Menschenverstand“ sucht. Wahrscheinlich ist meine Angst jedoch unbegründet, da ganze Horden Berater, Coaches und Trainers uns dieses Soft-Skill wieder verkaufen und beibringen werden.
    Herzliche Grüsse
    Daniel

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    • Hallo Daniel,

      vielen Dank für Deinen Kommentar.

      Ja, die Zukunft wird spannend und ich beobachte es zunehmend kritisch, wie viele Menschen sich auf Systeme verlassen. Die Frage die sich mir dabei immer wieder stellt ist; Warum verlassen sich Menschen zunehmend auf Systeme, Apps und Programme?
      Ist es die Angst vor der Verantwortung und verlieren wir zunehmend an Erfahrung, Mut, Instinkt und “gesunden Menschenverstand”.

      Ich freue mich auf viele Diskussionen zu dem Thema.

      Viele Grüße
      Stefan

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  2. Was bringt uns engagiertes HR Marketing und fein abgestimmte Personalauswahlverfahren, wenn das Berufsleben im Unternehmen nicht hält, was die Recruiter versprochen haben? Es mangelt vielfach an guter Führung durch die Vorgesetzten, dass sie sich selber beispielhaft verhalten, Wertschätzung zeigen, die Mitarbeiter gleichzeitig fordern und fördern, Leistung anerkennen. Das ist nicht einfach und wird noch schwerer, wenn die Unternehmensleitung keine Vorbildfunktion ausübt. Führung bzw. Personalarbeit sollte einen höheren Stellenwert in den Unternehmen erhalten und sich nicht auf die Verwaltung von Arbeitskraft beschränken

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    • Sehr geehrte Frau Ransweiler,

      vielen Dank für Ihren Mut und Ihren Kommentar.

      Ich stimme Ihnen zu, oftmals ist das gemalte Bild der Recruiter wenig authentisches mit den Alltäglichkeiten im Unternehmen. Wenn wir uns motivierte und aktive Bewerber wünschen ist es unerlässlich, offene Gespräche mit den Bewerbern zu führen. Im Kampf um die Talente habe ich in den letzen Jahren leider immer wieder erleben müssen, dass Recruiter als auch das Fachmanagement versucht haben, den jeweiligen Job zu verkaufen. Sie schreiben so treffend „engagiertes HR Marketing“.

      Ich persönlich habe die Erfahrung machen dürfen, auch in schwierigen Unternehmenssituationen, dass ein ehrlicher Umgang mit Bewerbern sehr zweckdienlich ist. Natürlich zogen einige Bewerber Ihre Bewerbungen zurück, nachdem nicht die schöne und heile Welt versprochen wurde.
      Andere Kandidaten haben die Herausforderung angenommen, in die aktive Weiterentwicklung des Unternehmens oder der Unternehmensbereiches einzugreifen.

      Ich möchte eine Lanze für Führungskräfte, Management und die Unternehmensleitungen in Deutschland brechen. Wir sollten berücksichtigen, dass dieser Personenkreis in einem nicht unerheblichen Spannungsfeld zwischen Mitarbeitern, Gesellschaftern, eigenen Vorgesetzten, Wettbewerbern und Kunden agieren muss. Hinzukommt der wirtschaftliche Erfolgsdruck. Ich möchte das Management nicht entschuldigen, da wir auch hier Potential zur Verbesserung haben, aber es ist zu einfach zu sagen das Management motiviert nicht genug.

      Ich freue mich auf weiter muntere Diskussionen
      Viele Grüße
      Stefan Kozole

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  3. Hallo Herr Kozole, herzlichen Glückwunsch zu diesem extrem gelungenen Artikel. Alles richtig und dazu noch sehr nett geschrieben. Ich rufe die Botschaft auch schon in die Welt. Mit Ihrem Artikel steigt die Chance, dass sich jetzt langsam mal was ändert – im Sinne von Holger.
    Herzlichen Gruß, Henrik Zaborowski

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  4. Hallo Herr Zaborowski,

    vielen Dank für Ihren lobenden und aufmunternden Kommentar.

    Leider ist Recruiting nicht der einzige Fachbereich in der operativen und strategischen Personalarbeit in dem es zu Ausuferung der System kommt. Ich beobachte in anderen Bereichen ähnliche Trends. Sei es das Thema Gesundheitsmanagement, demografischer Wandel oder schlicht die Personalentwicklung. In vielen Bereichen werden immer neuere und komplexere System als Heilsbringer angesehen.
    Ich bin der Meinung es macht Sinn einfach mal innezuhalten, nachzudenken und dann bewusst eine sinnvolle Entscheidung zu treffen.
    Allerdings würde dieses Vorgehen für viele Menschen bedeuten Sie müssten Verantwortung übernehmen, dabei es ist doch viel leichter und einfacher die Verantwortung an Prozesse, Beschreibungen, Anweisungen und Systeme zu übergeben.
    Gute Personalarbeit wird immer noch von Menschen für Menschen gemacht.

    Viele Grüße
    Stefan Kozole

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